Der „Althoff“.    Die Burg Hovestadt.


Egbert und Ida besaßen auch sĂŒdlippische GĂŒter – im jetztigen Hovestadt – auf denen letztere zeitweilig lebte.

Bei der Schenkung ihrer Herzfelder Besitzungen (898) an Werden werden auch vermutlich diese gleich an das genannte Kloster ĂŒbergegangen sein.
Belehnt doch Werden damit – seit 1330 erwiesen – verschiedene Persönlichkeiten. Auch den Namen jener GĂŒter nennen uns die Belehnungsurkunden. Es ist der „Altenhof“, „Alte Hof“, auch Hof „Scherrenbrock“ genannt.

 Seine Lage – östlich des heutigen Schlosses – sein krĂ€ftiger Eichenwald – gleichfalls wegen seiner Zugehörigkeit „Althof“ benannt – ist ja noch bekannt; auch muß man die ihm umgebenden GrĂ€ben und WĂ€lle nicht ĂŒbersehen.
Erst im Jahre 1850 wurden die KolonatsgebĂ€ude dieses Althofes niedergelegt, ein Wiesenplan trat an ihre Stelle – Die mit dem „Althofe“ von Werden Behandigten waren:

Engelbert BITTER
Johann VON SOEST
Konrad KETTELER
Johann HOBERG
Dietrich KETTELER
Goswin KETTELER
Dietrich Georg VON HEIDEN
Graf von PLETTENBERG-LENHAUSEN

1330 - 1343
wird 1344 mit der HĂ€lfte belehnt
um 1352
1496
1543
1587
1647
seit 1729

Zwischen dem vorgenannten „Althofe“ und der jetztigen Burg Hovestadt besteht eine gewisse, geschichtliche Beziehung. Es sind nĂ€mlich die mit demselben von Werden belehnt – wenigstens in den letzten Jahrhunderten – zugleich Inhaber der Burg Hovestadt; auch dĂŒrfte in diesem Lehngute ein Hauptgrundbesitz der Burg gelegen haben.
Im ĂŒbrigen liegt die Geschichte der Burg – in der Ă€ltesten Zeit vornehmlich – recht dunkel und wirr; auch von Steinen giebt uns keine befriedigende Lösung – Historisch unrichtig zunĂ€chst ist, dass Abdinghof zu Hovestadt eine Besitzung (die Burg!) genossen habe; wohl aber sind von ihm lehnrĂŒhrig die nordlippischen Besitzungen: Honsel (Pfr Lippborg) und Kesseler.

Die Inhaber dieser GĂŒter waren nun zugleich erzbischöfliche Burgherren zu Hovestadt, so dass sich danach die Konfundierung v. Steinens erklĂ€rt; er setzt nĂ€mlich aus diesem Faktum auch ein ausgeĂŒbtes Lehnsrecht seitens des Klosters – fĂŒr Hovestadt – voraus.

Doch kehren wir zu den ersten AnfĂ€ngen der Burg Hovestadt zurĂŒck.

Es lĂ€sst sich durch politische, geschichtliche Argumente zunĂ€chst nicht nachweisen, dass Herzog Egbert hier eine Burg erbaut und bewohnt habe; freilich spricht dafĂŒr gern die Tradition, welche dann auch in viele Geschichtswerke ĂŒbergegangen ist.
Gleichfalls bleibt unerwiesen, dass schon gleich nach den EinfĂ€llen der Ungarn – seit Anfang des 10. Jahrhunderts – hier eine schĂŒtzende Burg entstanden sei.

Urkundlich besteht dagegen zu Hovestadt eine Landesburg des Erzbischofes von Köln seit der Mitte des 13. Jahrhunderts; auf welchem Territorium sie errichtet sei – einem StĂŒck des „Althofes“ oder eines erzbischöflichen Haupthofes – zeigen die Quellen meines Wissens nicht.

Notorisch begegnen uns seitdem die erzbischöflichen „BurgmĂ€nner“, castrenses, castellani, zu Hovestadt. Die Burg trug stetsfort den Charakter einer gut befestigten, angesehenen Landesburg, mit welcher auch das Drostenamt und „Halsgericht“ verbunden erscheint.

In dieselbe legte der Erzbischof fĂŒr ein Burglehn seine Kriegsleute, die „BurgmĂ€nner“, meißt kleinere Adlige; sie bezogen die im Burgringe erbauten (sieben) Burgmannswohnungen. NaturgemĂ€ĂŸ ward so die Landesburg zum Kriegsschauplatz.

Im Jahre 1202 giebt Erzbischof Ludwig von Köln den Soestern das Versprechen, ihnen den Schaden, den sie wĂ€hrend der Fehde zwischen ihm und den Burgbewohnern von Hovestadt erlitten, in Monatsfrist zu ersetzen. Zwischen Berthold von Tunen zu Hamm, den Burgbewohnern der Mark und Hunold von Plettenberg, Offiziat zu Hovestadt, fand dann 1301 ein „Konflikt“ statt;  - 1303 belagert, erobert und zerstört Graf Eberhard von der Mark die Burg. Erzbischof Wichold stellt sie jedoch fest wieder her – restaurat et firmat -; allein noch im selben Jahr wird Eberhard sie wohl wieder zerstört haben.

Um 1346 ist sie total verwĂŒstet. Dem Ritter und Schultheißen Hermann von Plettenberg trĂ€gt nĂ€mlich Erzbischof Wolfram auf, „eyn steynen Huys“ mit WĂ€llen und anderen Befestigungen zu Bauen. Notoriich erscheint um 1381 die Burg stark befestigt und in Ansehen. Bischof Theodorich von OsnabrĂŒck schließt frei mit den Burgbewohnern ein BĂŒndnis; ihm waren schon Hermann Graf von Lippe, Otto von Rietberg und auch andere Dynasten vorausgegangen. Otto – MĂŒnsterischer Bischof -, unterstĂŒtzt vom Grafen simon von der Lippe, belagerte Hovestadt; der Erzbischof musste es halb an ihn – fĂŒr seine BurgmĂ€nner – abtreten. Noch um 1562 wird das Haus Hovestadt mit „TĂŒrmen, WĂ€llen und GrĂ€ben“ verzeichnet.

Als Ă€lteste Inhaber Hovestadts – erzbischöfliche Burgherren – sind uns die von Oldendorp ĂŒberkommen, welche Hovestadt – ohne den „Althof“ – mit Honsel und Kesseler besaßen. Nach ihnen – ausgestorben vor 1376 – erscheint die Burg im Besitz derer von Plettenberg, im 15. Jahrhundert der von Spiegel zum Desenberg. Ihnen folgten die von Ketteler, welche von Werden seit 1352 schon mit dem „Althof“ belehnt sind (1496 nicht mehr), von Abdinghof mit Honsel und Kesseler.

Um 1650 gelangte es an Gottfried von Heiden zu Schönrad, dessen Nachkommen es 1730 an den Reichsgrafen von Plettenberg-Lehnhausen fĂŒr 180.000 Thlr. Verkauften. Nach dem Tode der Witwe von Heiden – der die Abnutzung zustand – nahm er es 1733 in Besitz.

Noch gebe ich die bauliche Notiz ĂŒber die jetztige Burg; an die Stelle der umfĂ€nglichen, zahlreichen Burgmannshöfe und Wohnungen sind lĂ€ngst die WirtschaftsgebĂ€ude und moderne Parkanlagen getreten.

Im Jahre 1560 war die Burg wieder gĂ€nzlich zerfallen. Der damalige Inhaber von Ketteler, dem der KurfĂŒrst sogar mit kostenfrei angefahrenem Bauholz half, vollzog innerhalb 9 Jahren, von 1563 – 1572, den Neubau.

Der Bauherr war eine damals sehr gesuchte Persönlichkeit, nĂ€mlich Laurenz von Brachum, (spĂ€ter) BĂŒrger zu WiedenbrĂŒck, der bald als Maurermeister, bald als Baumeister, bald als Steinmetz in den Rechnungen auftritt; 1564, heißt es, wurden ihm, weil er etliche Male von der Geist (bei Ölde oder bei MĂŒnster) auf Begehren nach Hovestadt kam, 4 Reichsthaler entrichtet. Er enthielt sonst an Arbeitslohn 7 8br. (Ă  10 Pf.), als Jahrgeld 8 Tonnen Biers Ă  1 Rchsthlr., 3Âœ 8br., 20 (kleine) Scheffel Roggen Ă  Âœ Rchsthlr., 4 fette Schweine zu 11 Rchsthlr., dazu 1566 fĂŒr einen Mantel 4 Ellen Tuch Ă  20 8br. Und 4 Ellen Futter a 4 8br.

Er arbeitete im ersten Jahre mit 18 bis 27 Gesellen, von denen jeder tĂ€glich 5ÂŒ 8br. erhielt, und mit einem Jungen, der 4 8br. bekam. 
Der Meisterknecht Johann von Coesfeld erhÀlt 5 8br. und 2 Quart Bier à 3 Pf.

Als Gesellen stehen ihm namentlich zur Seite:
Hermann von MĂŒnster, Hermann von Aldensell ( Oldenzaal);

Als Steinmetzen:
Ebert und Egbert von MĂŒnster, Johann und Dierich von MĂŒnster, Wessel von MĂŒnster, Johann von Bielefeld, JĂŒrgen Baecksmanns, Bernt von Soest, Jakob und Tönies von Minden, Dierich von Wesel und Tönies von Billerbeck.

Als Maler wirkte an dem Neubau:
Meister Jost von Hervede mit dem Gesellen Albert und einem Jungen.

Und als Glasmacher:
Meister Claus Gerdingk von MĂŒnster.

Man hört, ein tĂŒchtiger Meister hatte einen großen Bau unter HĂ€nden, an bunter Zier verwandt dem Schlosse Assen bei Lippborg, das auch jedenfalls von Laurenz von Brachum aufgefĂŒhrt wurde. Die auffĂ€llige Zahl von mĂŒnsterschen und mĂŒnsterlĂ€ndischen Steinmetzen, die dekorativen Steinarbeiten aus baumberger BrĂŒchen, welche mehrfach den Bauten um Soest zukommen, können uns einen Fingerzeig geben, welch’ eine Rolle damals die mĂŒnsterischen Werkleute mit dem schönen und bildungsfĂ€higen Material weithin ĂŒber das nĂ€chste Absatzgebiet gespielt haben.

                                     Aus: Joseph Herold - Die tausendjĂ€hrige Geschichte des Gemeinwesens Herzfeld  1886