Aufzeichnung der m├╝ndlichen ├ťberlieferung von
Josef Bierhaus (1875 - 1979) Anfang der 70er Jahre

Aufgeschrieben von August Bierhaus, Ahaus im M├Ąrz 2006

Josef Bierhaus, seit 1919 bis 1933 Gemeindevorsteher in Hovestadt erinnerte sich an den Neubau der Lippebr├╝cke Hovestadt-Herzfeld. Die Holzbr├╝cke von 1793 (?) war so schadhaft geworden, dass nach der Inflation (1923) der Beschluss gefasst wurde, eine neue Br├╝cke zu bauen.
Die Gemeinde Herzfeld sollte 2/3 und die Gemeinde Hovestadt 1/3 der Kosten ├╝bernehmen. Da damals viele Menschen in den beiden Gemeinden arbeitslos waren, versuchte die Amtsverwaltung Oestinghausen in Hovestadt ├╝ber die zust├Ąndige Beh├Ârde beim Regierungspr├Ąsidenten in Arnsberg ├Âffentliche Mittel zu beantragen. Dort hatte man errechnet, dass f├╝r den Bau der Br├╝cke 18.000 Tagewerke erforderlich seien und hatte bei der Arbeitslosenversicherungsanstalt einen Zuschuss von 36.000 Mark eingeplant.

 

 

                  Die Lippebr├╝cke im Bau. (1925/26)

 

 


Die Firma K├Âthenb├╝rger aus Paderborn erhielt den Zuschlag f├╝r ein Angebot in H├Âhe von 60.000 Mark. Da die Firma jedoch nur wenige Arbeiter besch├Ąftigte und bereits gro├če Bauger├Ąte einsetzte, wurden aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung nur 1.600,- Mark ausgezahlt
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                   Die Lippebr├╝cke (1925/1926)

                   Die Br├╝cke wurde am 1.4.1945 gesprengt.

 


Als die Firma K├Âthenb├╝rger die 2. Rate in H├Âhe von 20.000 Mark anforderte, konnte die Kasse der Amtsverwaltung keine Mittel aus dem Gemeindehaushalt bereitstellen. Die Regierung in Arnsberg beschloss, der Gemeinde Hovestadt -die inzwischen Tr├Ąger des Br├╝ckenbauvorhabens geworden war- den Betrag "vorzuschiessen." Nach Fertigstellung der Lippebr├╝cke hatte die Gemeinde Hovestadt im Rahmen ihres Kostenanteils Schulden in H├Âhe von 22.500 Mark. Die Firma K├Âthenb├╝rger drohte mit einer Pf├Ąndung, jedoch war die Gemeinde mittellos.

Durch die Reichsregierung in Berlin wurde aus dem Benzinsteuer-Aufkommen ein j├Ąhrlicher Zuschuss von 5.600 Mark f├╝r die Bedienung des Zins- und Tilgungsdienstes und der laufenden Instandhaltungskosten bewilligt. Bei der Amtsparkasse des Amtes Oestinghausen zu Hovestadt wurde ein Darlehen aufgenommen, um die Baurechnung zu bezahlen. Der Zuschuss war jedoch so reichlich, dass sp├Ąter eine Reduzierung auf 3.900 Mark erfolgte.