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Änderung des Namens Beerhus in Bierhaus Als Eltern werden genannt: Joannes Henricus Beerhus bzw. Berhaus genannt Alte Eickman und Elisabeth Margaretha Feldhus zu Hofstadt. Bemerkenswert ist die Änderung der Schreibweise von Beerhues auf Berhus und Beerhaus, später Bierhaus. Wie sehr jedoch der Hofname Alte Eickman bzw. Eickman verbreitet war, beweist das wertvolle Familien-Erbstück, das der Hoferbe vermutlich am Tage seiner Schulentlassung bekam. Die Silbermünze weist folgende Inschriften auf:
 Die Sippe Feldhus - Grumme Es konnte bisher nicht geklärt werden, woher der Name "Alte Eickman" herstammt, da in der Familie der Frau bis l700 nur die Namen Velthus-Grurnme und Gehle(n) zu finden sind. Bei den Eltern der Frau, Petrus Veithus-Grunme und Maria Francisca Gehle(n) findet sich in den Kirchenbüchern von Oestinghausen dieser Beiname nicht.
Am 29. Juli 1819 heiratet der "Einsasse und Faßbinder" Clemens August Bierhaus gt. Eickman mit 24 Jahren die am 4.2.1796 in "Keßlarn" geborene Catharina Elisabeth Hunecke. Die Familie Hunecke, später Hunke, ist in der Familie Bierhaus mehrfach vertreten. So war der Neffe dieser Catharina Elisabeth, der Landwirt Franz Hunke, Vater der am 4.1.1853 geborenen Maria Hunke, die am 1.8.1888 den Müller Georg Rhode ehelichte. Diese waren die Schwiegereltern unseres Jubilars.
Die 1790 erwähnte Elisabeth Beerhus ist vermutlich mit der in dem Taufbuch der Kirchengemeinde Oestinghausen im Jahre 1837 als Patin genannte Elisabeth Bierhaus, Witwe von Stephan Hildenhagen aus Herzfeld identisch. Sie war mit Conradus Adrian gt. Koch aus Hofstadt Patin des am 8.10.1837 geborenen 5. Kindes aus der Ehe des Hoferben Clemens August Bierhaus und der Katharina Elisabeth Hunke aus Herzfeld.
In den Kirchenbüchern sind aus dieser Zeit die Bezeichnungen "Einsasse”, -d.h. Eingesessener- und "Beiwohner" zu finden. Die letztere Bezeichnung wird dann verwendet, wenn als Beruf "Arbeitsmann" o.ä. angegeben ist. Hier wurde offensichtlich eine Unterscheidung zwischen den eigenbesitzenden Landwirten und Handwerkern und den vom Adelsgut abhängigen Landarbeitern getroffen.
Hofstadt entwickelt sich Aus den Kirchenbüchern läßt sich jedoch eine gewisse Bedeutung des bis 1853 noch unselbständigen Gemeinwesens ableiten, die aus dem Sitz des Adelsgutes erklärt werden kann. Neben den Arbeiter-, Handwerker- und Bauernfarnilien verzeichnen die Kirchenregister um 1830 mehrere Beamtenfamilien. So erscheint 1830 Josef Grundhof als Gräflich Plettenbergischer Rentmeister, Joannes Ziegler als Dberschultheiß, Franz Friedrich Lex und Wilhelmus Rohden als Königliche Justiz-Amtmänner, Hermanus Josephus Zumbroich -verheiratet mit Auguste Ziegler- als Arntsschreiber und Georgius Schenking als Polizeidiener.
Hofstadt Sitz eines Gerichts Die Anwesenheit der Justizbeamten um 1830 beweist, daß Hofstadt Sitz eines Gerichtes war. Bereits vor der Soester Fehde (1444-49) wurden in Hofstadt regelmäßig sog. "Vriedinqs" des Soester Gau- und Freigerichts abgehalten. 1490 wird Gotthardt van Kettler als "Stoelheeren des fryen Stoels tho Hovestadt" urkundlich genannt. Später hatten die Drosten der bischöflichen Burg das Recht der Gerichtsbarkeit. Auf einer Inschrift der 1631 gegossenen Glocke in der Pfarrkirche von Oestinqhausen wird der "Richter Conrad Wienken in Hofstadt" erwähnt. Das Haus Korbmacher-Hiek war der Sitz des letzten Amtsrichters Löcke.
Schul-Probleme um 1820 Der ab l800 stark wachsende Ort bekam in den Jahren um 1820 offensichtlich Schulprobleme. 1822 stieg die Schülerzahl auf über 100 Kinder, so daß im alten Schulhaus -jetziges Haus der Familie Lammert an der Bahnhofstraße- die Kinder mit der Schiefertafel auf dem Schosse lernen mußten. Auf Drängen der Lehrer stellte der Protektor der Schule, der Graf von Plettenberg, im Jahre 1832 ein Grundstück zur Verfügung, auf dem eine Scheune der jüdischen Familie Stern -heute das Haus der Familie Horstknepper an der Schloßstraße- stand. Diese Scheune auf dem Nachbargrundstück wurde abgebrochen. Das Holz konnte wiederverwendet werden, so daß der Schulbau nur 1500 Thaler kostete.
Revolution in Hofstadt Im Jahre 1848 wurden die Ideen der Revolution auch nach Hofstat getragen. Der Landwirt und Faßbinder August Bierhaus gt. Eickman war unter den Autrührern, die sich am 25. März 1848 -Maria Verkündigung- nach der Andacht in der Gaststätte Diekmann (heute Krippendorf-Bamfaste) versammelt hatten, um das Schloß Hofstadt -dessen Zugbrücken hochgezogen worden waren- zu stürmen.
Als nach den Plänen der Aufrüher der gesamte Grundbesitz in Hovestadt -Grundbesitzer waren nur der Graf und die wenigen Landwirte- aufgeteilt werden sollte und nach diesem Plan auch Bierhaus gt. Eickman von seinen 50 Morgen abgeben sollte, erklärte dieser "die Revolution für beendet" und ging nach Hause. Die aus Herzfeld gekommenen Revolutionäre schlugen jedoch die am "Langen Graben" bis zur Lippebrücke stehenden Öllaternen entzwei. Auf ihre Bitte, diese Lampen wieder aufzurichten, erwiderte der Graf den Herzfelder Bittstellern, "sie wären diejenigen, die zuerst ins Wasser fielen, wenn sie fortan im Dunkeln nach Hovestadt tappen müßten."
Als positive Auswirkung der politischen Unruhen der 48iger Jahre erhält das 1815 preussisch gewordene Hovestadt im Jahre 1853 das Gemeinderecht. Die Gemeindevertretung wurde aus dem Gemeindevorsteher (d.h. dem Gutsbesitzer) und den zehn "Meistbeerbten" gebildet. Unter diesen zehn Bürgern befand sich auch der Landwirt Clemens August Bierhaus gt. Eickman.

Alte Lippebrücke von 1793
 Die dritte Generation in Hofstadt Von den sechs Kindern aus der 1819 geschlossenen Ehe des Clemens August Bierhaus und der Catharina Elisabeth Hunke übernimmt der am 14.2.1827 geborene älteste Sohn Heinrich den Hof Eickman. Zwei Töchter heiraten auf anderen Höfen ein: Elisabeth auf den Hof Fischer gt. Hemmis im Seekenkamp -jetziger Hof Röttger- und Tochter Anna (geb. 1837) nach Hunecke in Bettinghausen. Der 1834 geborene Sohn Franz heiratet nach Niehaus in Niederbauer -jetzt Schmülling-, hat jedoch keinen männlichen Erben. Über das Schicksal des 1830 geborenen Sohnes Stephan sagen die Kirchenbücher von Oestinghausen nur aus, daß er 1845 in Oestinghausen gefirmt wurde.
Der jüngste Sohn Joseph Heinrich wird am 4. Juni 1840 geboren und am 5. Juni von Pfarrer Schulte in Oestinghausen getauft. Taufpaten sind Henricus Hildenhagen, Herzfeld und Elisabeth geb. Hunke aus Keßlarn.
Die Kinder- und Jugendzeit des Joseph Heinrich Bierhaus in Hovestadt um 1850 ist unseren Kindern heute nur schwer vorzustellen. Das bäuerliche Leben -Menschen und Vieh unter einem Dach- war einfach. Essen und Trinken und Kleidung kam aus der eigenen Land- und Hauswirtschaft, das rare Geld aus dem auf der Tenne betriebenen Böttcherei. Es gab noch keine technischen Hilfsmittel, die Petroleum-Lampe war gegenüber dem Kienspan oder dem Öl-Lämpchen ein Fortschritt. Die Straßenverhältnisse waren miserabel, das Leder-Schuhwerk wurde nur für den Kirchgang oder an Festtagen getragen. Die ein- bis zweimal wöchentlich erscheinende Zeitung war nicht in jedem Hause zu finden, das Gespräch im Zwielicht am Herdfeuer bot die beste Informationsquelle. Kirche und Schule waren Mittelpunkt des Lebens, die seit Jahrhunderten bestehende totale Abhängigkeit -Abgabepflichten, Hand- und Spanndienste bis zur Hörigkeit- war noch nicht aus dem Bewußtsein der Menschen verdrängt.
Bis zum Anfang der 50iger Jahre gab es im Bereich der Kirchengemeinden Herzfeld, Oestinghausen und Ostinghausen keine geregelte Versorgung der Kranken und Alten, so daß das soziale Elend -insbesondere bei den Besitzlosen und Arbeitsunfähigen- besonders groß war. Zwar war 1792 durch den Apotheker Ebbinghuysen in Hovestadt die erste Apotheke im weiten Umkreis eingerichtet worden, auch übte Herr Doctor Franz Theodor Beckers zu Hovestadt "die Arznei-Kunst" aus. Für dessen vielköpfige Familie baute der Zimmermann Franz Hunke -Vater unserer Großmutter Maria Rhode geb. Hunke in Keßler- das große doppelstöckige Fachwerkhaus, gen. "Blocks-Haus".

Block`s Haus

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