Familienkunde

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Stiftung St. Ida- Hospital
Nach einem Bericht des damals in Hovestadt tätigen "Missionspriesters" Vikar Bolzau wurde die Idee der Errichtung eines Krankenhauses für die drei Kirchengemeinden Oestinghausen, Herzfeld und Ostinghausen in Hovestadt durch eine unbedeutende gute Tat ausgelöst: "Clara Beckers, die Tochter des hiesigen Arztes spielte mit mehreren Damen am Nachmittag des Festes Mariä Geburt 1851 bei Rentmeister Grundhoff zum Scherze Kegel und gewann 22 Pfennige." Dieser Grundstock einer spontanen Spendenaktion ermöglichte die Begründung einer Stiftung St. Ida Hospital, die 1859 genehmigt wurde. Im Jahre 1855 konnte mit dem Bau eines zweistöckigen Gebäudes zur Aufnahme von 8 Kranken und zwei Pflegerinnen mit einem Kostenvoranschlag von 3.550 Reichsthalern begonnen werden, nachdem Graf Josef Caspar von Plettenberg-Lenhausen den "Leiers Garten an der Soester Straße" unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. Die ersten Kranken wurden von den Schwestern Oberin Theresia, Schwester Ämiliana und Schwester Corona von den Krankenschwestern des hl. Franziskus aus St. Maulitz in Münster betreut. Der Pflegesatz für Kranke ohne Verdienst betrug anfangs 30 Pfennig, für Kranke mit Einkommen 50 - 75 Pfennig. 1861 übernahm Dr. Hiltermann die medizinische Betreuung als Hausarzt, weitere Ärzte, so Dr. Kröger und Dr. Gödde, siedelten sich in Hovestadt an.


 

 

 

  St. Ida - Hospital  Baujahr 1859 - 1894
 

 

 




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In den ersten Jahrzehnten konnte das Hospital nur durch Legate, Spenden und Naturalienkollekten die Defizite decken. So wurden 1861 folgende Gaben eingesammelt: 726 Eier, 7 Scheffel Weizen, 5,5 Scheffel Roggen, 2,225 Scheffel Gerste, 41 Scheffel Kartoffeln, 22 Pfund Flachs, 23 Ellen Leinen, 51 Pfund Butter, 35 Pfund Fleisch u.a.m..

So wie die Gründung und Errichtung eines Krankenhauses aus sozialen Gesichtspunkten erfolgte, lag auch der um 1865 aufkommende Plan zur Begründung einer Sparkasse in gleicher Richtung. Für die arbeitenden Bürger sollte eine Gelegenheit gegeben werden, einige Notgroschen sicher und zinsbringend anzulegen, da bei den schlechten Wegeverhältnissen es eine Tagereise bedeutet hätte, wenn die Bewohner ihre Ersparnisse zu den Geldinstituten nach Soest, Lippstadt oder Beckum bringen wollten.

Unter dem Vorsitz des Ehren-Amtmannes Freiherr von Ledebur-Wicheln beschloß die damalige Amtsversammlung am 5. Januar 1866 die Errichtung einer Sparkasse unter Verabschiedung eines Statues. Die wechselvolle Geschichte dieser Sparkasse wird in der 1941 herausgegebenen Festschrift zum 75-jährigen Bestehen erwähnt. Unter den Vorstandsmitgliedern findet sich auch unser Jubilar Josef Bierhaus, der diesem Gremium von 1923 bis 1933 angehörte.

Auch auf kulturellem Gebiet regte sich in dieser Zeit das Leben in der Gemeinde. Im Jahre 1857 wurde der Männergesangverein Herzfeld-Hovestadt gegründet. Bis zum Jahre 1878 diente der Saal im Gasthof Biele als Vereinslokal, hier wurde auch 1860 erstmals Theater gespielt.

Das Jahr 1860 ist auch das Gründungsjahr des Hovestädter Schützenvereins, dem alle männlichen Bewohner der Ortschaften Hovestadt, Herzfeld und Nordwald angehören sollten. Unter den langjährigen Mitgliedern finden wir in den Protokollbüchern Joseph Heinrich Bierhaus und unseren Jubilar Josef Bierhaus, der inzwischen auf Grund seiner über 70-jährigen Mitgliedschaft Ehrenmitglied geworden ist.

Die jüdische Gemeinde in Hovestadt
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Ortes Hofstadt dürfte die Geschichte der jüdischen Gemeinde bilden. Die ersten jüdischen Familien wurden um 1730 durch den Grafen Josef Klemens von Plettenberg-Lenhausen in Hofstadt und Herzfeld angesiedelt. Zum Teil sollen es nachgeborene Söhne von Handelsjuden gewesen sein, die in Soest und anderen Städten wegen der bestehenden Beschränkungen kein Wohnrecht erhalten konnten. Diese jüdischen Familien erhielten das Recht, auf gepachteten Grundstücken Häuser zu bauen und mußten dafür Abgaben an den Grafen zahlen.

Bis zum Jahre 1871 bildeten die Juden aus Hofstadt, Herzfeld und weiteren Gemeinden des Amtes Oestinghausen sowie Weslarn, Dinker und Vellinghausen eine selbständige Synagogengemeinde. Sie verfügte über eine eigene Schule und eine Synagoge -die erste stand an der Stelle der früheren Hildenhagen`schen Brennerei-, die 1856 erbaute Synagoge auf dem Hofplatz der Metzgerei Kleeschulte wurde 1935 abgebrochen. Der alte Friedhof im Krähenbrink und der neue Friedhof in der Schoneberger Heide erinnern noch an die große jüdische Gemeinde, die 1855 in Hovestadt 95 und Herzfeld 23 Köpfe zählte. Viele alte Fachwerkhäuser in Hofstadt sind vor über 200 Jahren von Juden errichtet worden, so auch das Haus der Familie Bierhaus an der Schloßstraße, das fast 250 Jahre alt sein dürfte.


 

 

 

           Synagoge, Hofstadt 1856
 

 

 






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