Familienkunde

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Tätigkeit für den Kirchenbau-Verein
Im Jahre 1907 wurde der Verein Frohsinn gegründet, um durch Veranstaltung von Theateraufführungen und Waldkonzerten den Kirchenbauverein zu unterstützen. Als Josef Bierhaus im Jahre 1913 im Rahmen einer Veranstaltung des Vereins "wegen Betreibens einer Schenkwirtschaft ohne ordnungsmäßige Erlaubnis" vom Königlichen Amtsgericht in Soest einen Strafbefehl über 20 Mark oder ersatzweise 4 Tage Haft erhielt, spendeten spontan die Bürger von Hovestadt 44,05 Mark, um damit die Strafe und die Schenkwirtschaftssteuer von l0 Mark nebst Kosten bezahlen zu können.

Die Geschichte des Kirchenbauvereins ist auch die Geschichte der Freunde unseres Jubilars, insbesondere seien hier die Namen Onkel Tönne Herold, Franz Adrian, Josef Biele und Fritz Herold genannt. Ohne ihren Einsatz und Opfermut wäre der Kirchenbau im Jahre 1932 nicht ausgeführt worden.








Kirche in Hovestadt 1932
St. Albertus Magnus









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Man muß sich vergegenwärtigen, daß noch im Jahre 1910 in Hovestadt die Petroleum-Laternen brannten. Überall in den Groß- und Mittelstädten hatte die Elektrizität ihren Siegeszug eingehalten und die privaten Elektrizitätswerke schossen wie Pilze aus dem Boden.

Es wird Hell in Hovestadt
Im nahen Sassendorf gründete ein jüdischer Unternehmer aus Braunschweig ein Elektrizitätswerk. So ergab sich die Möglichkeit, daß die umliegenden Gemeinden auch an den Segnungen der Elektrizität teilhaben konnten.

Es war eine Privatinitiative von Bürgern aus Herzfeld und Hovestadt, die "Licht und Kraft" von Sassendort nach Hovestadt-Herzfeld holten. Eine Kommission, der Stephan Willenbrink und Dr. Menke aus Herzfeld, Rentmeister Keimer und Josef Bierhaus aus Hovestadt angehörten, verhandelten mit dem leitenden Ingenieur Schramm über die Verlegung einer Leitung von Sassendorf, zumal auch von Soest her eine Anlage angeboten wurde. Anton Bierhaus, gelernter Schmied, hatte sich inzwischen der Elektrizität zugewandt und wurde als Sachverständiger mit der Ausfertigung eines Gutachtens beauftragt.

Die Erstellung der Lichtmasten-Anlage und der Zuleitungen für die Häuser wurde von Elektrikern aus Bayern ausgeführt. Josef Bierhaus zahlte für 11 Brennstellen im Haus und in der Werkstatt eine "Kabel- und Knipserzulage" von 310 Mark. Eine Birne kostete 3 Mark 90 Pfennig, billigere Birnen mit Kohlefaden, die einen höheren Stromverbrauch hatten, konnten in Sassendorf für 90 Pfennig gekauft werden. Wenn dann eine "Birne platzte" sangen die Kinder: "Schrimm, Schramm, Schrumm, schon wieder eine Birne kaputt!"

Die Handwerker und Gewerbetreibende wollten schon bald die Elektrizität kommerziell nutzen. So kaufte Josef Bierhaus 1922 eine Bandsäge für 2.200 Mark und erreichte damit eine wesentliche Arbeitserleichterung. Aber auch hier zeigten sich Probleme, denn die Elektromotoren -so in der Mühle Stratbücker- brachten die Lampen in den Häusern "zum Flackern".

Im Jahre 1912 geht Josef Bierhaus auf "Freiersfüßen" nach Keßeler. Dort auf der 1507 erstmals urkundlich ("in molendino Ketzeler") erwähnten Wassermühle (Korn-, Öl- und Bückemühle) des Grafen Plettenberg sitzt seit 1842 die aus Schliprüthen stammende Familie Rhode. Wie aus den Kirchenbüchern dieses kleinen -inmitten von Bergen gelegenen- Bauerndorfes hervorgeht, ist seit 1652 die Familie Rohde gt. Schlieden (Schlieden: vermutlich ein Abzweig aus dem verarmten Geschlecht von Schlehdorn in Lenhausen) nachweisbar. Ein "Stammbaum" im Bauernhaus Franz Rhode in Schliprüthen weist über drei Jahrhunderte die weitverzweigte Sippe Rhode nach, so auch einen Abzweig in Oestinghausen durch Einheirat bei Königshoff.









       Schliprüthen









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Familie Rhode in Schliprüthen
Am 21.2.1838 heiratet der am 15.7.1801 geborene Müller Heinrich Rhode aus Schlieprüthen die am 13.4.1810 in Weringhausen b. Meschede geborene Theresia Spanke. Zwei Kinder, Franz und Maria, werden in Lenhausen 1839 bzw. 1842 geboren. Danach ist die Anpachtung der Keßeler Mühle erfolgt, denn 1844 wird in Keßeler die Tochter Elisabeth geboren, der noch weitere 6 Geschwister folgen.

Heinrich Rhode ist offensichtlich ein fleißiger Mann. So verleiht er im Jahre 1850 an seinen Pachtherrn 400 Thaler zu 4 % Zinsen gegen Handschein, die erst 1881 zurückgezahlt werden.
In 15 Jahren hat Heinrich Rhode etwa 25 Darlehen gegen Schuldschein in Höhe von insgesamt 2 500 Thalern verliehen. Damals betrug der Monatslohn eines Handwerkers etwa 1 Thaler, eine Kuh kostete etwa 20 Thaler.

Aus alten Unterlagen ist ersichtlich, daß mehrere Brüder des Heinrich Rhode um 1850 nach den Vereinigten Staaten auswanderten und es dort nach kurzer Zeit offensichtlich zu Vermögen brachten. 
 
Der älteste Sohn Franz Rhode, am 21 .6.1839 in Lenhausen geboren, heiratet am 4.9.1872 die am 4.1.1853 in Herzfeld geborene Maria Hunke.  Aus dieser Ehe gehen sieben Kinder -Franz 1874, Elisabeth 1876, Franziska 1877, Georg 1879, Hermann 1881, Rosina 1382 und Ida 1885 hervor.   Als Franz Rhode mit 48 Jahren stirbt, heiratet der am 22.7.1859 geborene Georg Rhode die Witwe mit fünf unversorgten Kindern. Aus dieser am 1.8.1888 geschlossenen Ehe werden am 6.5.1889 Maria Agnes und am 7.7.1892 Käthe geboren. Georg Rhode stirbt mit 36 Jahren am 21.8.1895. "Oma Rhode" hat dann allein mit ihren Kindern die Mühle und die "Gaststätte Keßler Mühle" geführt. Diese tüchtige Frau hatte die Gabe, alle wissenswerten Daten (Geburts-, Heirats- und Todestage) aus "fünf Kirchspielen" auswendig zu wissen. Noch im hohen Alter strickte sie Tag für Tag einen Socken und konnte dabei für Jung und Alt unermüdlich aus alter Zeit erzählen. Sie starb mit 96 Jahren in Göttingen am 23.3.1949.


              Hof Franz Rhode in Schliprüthen

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Brautzeit und Hochzeit 1912

                         Keßeler Mühle

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Josef Bierhaus entscheidet sich nach einem ersten Besuch in der "Keßeler Mühle" sofort für die zweitjüngste Müllerstochter Agnes. Diese lernte gerade in der Familie Holterdorf –Verleger der Zeitung "Die Glocke"- die gute bürgerliche Küche. Agnes Rhode kündigt bei Holterdorfs und am Feste Christi Himmelfahrt 1912 wird die Verlobung gefeiert.

Es ist selbstverständlich, daß im Jahre 1912 Josef Bierhaus auf dem Schützenfest des Schützenvereins Hovestadt-Nordwald den Königsschuß tut. Aus dem Vereins-Protokoll des Jahres 1912 ist zu lesen, daß "das diesjährige Fest nach üblicher Weise einen günstigen Verlauf nahm und es errang sich die Königswürde Herr Josef Bierhaus und erwählte zur Königin seine Braut Fräulein Agnes Rhode zu Keßeler".

Nach diesem Fest des Jahres findet am 24. September 1912 in der St. Ida-Kirche zu Herzfeld die Trauung von Josef Bierhaus und Agnes Rhode statt. Die Hochzeitsgäste feiern im Saale Orthaus diesen Tag ergiebig. - Es sollte noch im Gedächtnis Aller sein, daß genau 50 Jahre später die "Goldhochzeit" ebenfalls im Saale Orthaus gefeiert wurde.

Eine Episode verdient noch festgehalten zu werden: Drei Tage nach der Hochzeit kommt der Küster von Oestinghausen und verlangt 3 Mark "Kopuliergeld", obwohl die kirchliche Hochzeit in Herzfeld erfolgte. Josef Bierhaus zahlt, denn: "Drei Mark isse mi wäert!"



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